Strukturwandel in Automobilbranche gravierender als Kohleausstieg

Krisensignale in ostdeutscher Autoindustrie

Der Automobilzulieferindustrie in Ostdeutschland stehen schwere Zeiten bevor. Die Entwicklungen in der Automobilbranche wirken sich offenbar deutlich auf die Zulieferindustrie aus.

„Der Strukturwandel in der Automobilbranche wird heftiger ausfallen als selbst der Kohleausstieg“, sagte Wolfgang Tiefensee MDR Aktuell. „Und für dessen Bewältigung hat der Bund mit dem Strukturstärkungsgesetz immerhin gerade ein 40-Milliarden-Euro-Hilfspaket geschnürt.“ Nach aktuellen Analysen seien durch den Ausstieg aus der Braunkohle in Deutschland bis 2030 rund 72.000 Jobs gefährdet – durch den Transformationsprozess in der Automobilindustrie stünden laut Tiefensee im selben Zeitraum bis zu 125.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Aus diesem Grund traf sich Tiefensee mit den Akteuren in der thüringischen Automobilindustrie, um über Wege aus der Misere zu beraten. Als erste Maßnahme hat das Wirtschaftsministerium bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) eine „Koordinierungsstelle für Fragen der Transformation in der Thüringer Automobilindustrie“ eingerichtet, die im Oktober ihre Arbeit aufgenommen habe, sagte Tiefensee.

Diese Alarmzeichen gelten nach Einschätzung des Automobilclusters Ostdeutschland (ACOD) für die gesamte Region. „Das, was wir derzeit in Teilen Westdeutschlands in der Autoindustrie erleben, Insolvenzen und Stellenabbau, davon wird auch Ostdeutschland über kurz oder lang nicht verschont bleiben. Da muss man sich auf grundlegende Veränderungen einstellen“, sagte der Geschäftsführer des ACOD, Jens Katzek, MDR Aktuell. „Genau deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschung und Politik in Zukunft so wichtig“, so Katzek.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz vom ifo-Institut in Dresden sieht ebenfalls Probleme für die Branche. Es stünde ein gravierender Transformationsprozess an. "Man muss wohl damit rechnen, dass einige der Unternehmen den Transformationsprozess nicht überleben werden", sagte er auf Nachfrage von MDR Aktuell.

In der Branche der Automobilzulieferer in Mitteldeutschland sind rund 129.000 Menschen beschäftigt. Das entspricht etwa vier Prozent der gesamten sozialversicherungspflichten Arbeitsplätze in Mitteldeutschland, rund 3,2 Millionen.

Ansprechpartner: Wolfgang Brinkschulte/Fabian Held, Redaktion MDR Aktuell TV

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