Mutig in die Zukunft gehen

(v.li.) Lars Dittert (Standortleiter der Gläsernen Manufaktur), Hans-Peter Kemser (Werkleiter BMW Werk Leipzig und Vorstandsvorsitzender ACOD e.V.), Michael Kretschmer (Ministerpräsident Sachsen, CDU), Reinhard de Vries (Geschäftsführer Technik und Logistik, Volkswagen Sachsen GmbH), Gerd Rupp (Vorsitzender der Geschäftsführung, Porsche Leipzig GmbH), Prof. Dr. Matthias Putz (Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU), Dr. Jens Katzek (Geschäftsführer ACOD GmbH)

 

"In der Automobilindustrie ist aktuell sehr viel in Bewegung, sowohl bei den regulatorischen Rahmenbedingungen als auch durch neue Technologien im Fahrzeug und in der Produktion. Die Vielzahl damit verbundener Herausforderungen bedeuten für Hersteller und Zulieferer zugleich Chancen und Risiken", sagte Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des ACOD. Unter diesen Vorzeichen diskutierten 240 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Wege zur Stärkung der ostdeutschen Automobilindustrie auf dem Jahreskongress 2019 des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) in Dresden.

Keynote Speaker Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident in Sachsen, kündigte Weitsicht beim Umgang mit industriellen Clustern an: "Wir wollen den Strukturwandel durch Innovation. Wir wollen ein Produktionsland sein und Wohlstand durch Wertschöpfung schaffen", sagte Kretschmer auf dem ACOD Kongress. Er wünsche sich, dass die Region "mutig in die Zukunft" geht. Elektromobilität wird eine große Rolle spielen, aber auch Technologien wie Wasserstoff. Wichtig sei, dass die Automobilindustrie den Weg in die Zukunft gemeinsam mit den Zulieferern geht und natürlich gerne im Dialog mit der Politik, so Kretschmer.

 

 

Als Startschuss des globalen Rollouts der Elektro-Offensive von Volkswagen gilt der derzeitige Umbau des Zwickauer VW-Werks zum Elektromobilitätsstandort. Dieser Umbau geht laut Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik von Volkswagen Sachsen, gut voran. Bis 2022 plant der Konzern den Aufbau von weltweit acht MEB-Standorten (MEB = Modularer Elektrobaukasten). Elektrofahrzeuge werden dann in Zwickau, Dresden, Hannover, Emden, Mladá Boleslav, Chattanooga sowie in Anting und Foshan gebaut. Zulieferer sollten das Tempo des Wandels nicht unterschätzen und sich rechtzeitig auf die Trendwende einstellen. Allein durch den Umbau des Zwickauer Werks mussten sich 40 direkte Zulieferer neu orientieren. In unmittelbarer Werksnähe entstehen vier neue Standorte mit Investitionen in Höhe von 130 Mio. EUR. Ab Ende November 2019 wird der neue ID.3 in Zwickau vom Band rollen. Das Kontingent der 1st-edition ist mit 30.000 Vorbestellungen bereits ausgeschöpft, sagte de Vries. Für ihn sei dies ein Zeichen, dass sich der Absatz dynamisch entwickeln wird. "Mit dem ID.3 setzt Volkswagen einen neuen Preis-Leistungs-Benchmark und macht E-Mobilität attraktiv und erreichbar für Millionen von Menschen", so de Vries.

 

 

Über innovative Batterielösungen für längere Laufzeiten, schnellere Ladung und höhere Sicherheit sprach Matthias Zentgraf, Europachef des chinesischen Batterieherstellers Contemporary Amperex Technology (CATL). Das weltweit agierende Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Technologien und die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge spezialisiert und investiert innerhalb der nächsten fünf Jahre 1,8 Milliarden Euro in ein neues Werk bei Erfurt. Die Nähe zu den Kunden in Deutschland und Europa war für die Strandortwahl neben der Energieverfügbarkeit aus erneuerbaren Quellen besonders wichtig.

Für den Erfolg der rein elektrischen Antriebe im Fahrzeug stehen auf der Seite der Nutzer der Ausbau der Ladeinfrastruktur, Energiespeichersysteme und der Netzausbau an prioritärer Stelle. Wie Spezialisten aus der Autoindustrie und der Energiewirtschaft eine großflächige Nutzung der Elektromobilität bis 2030 absichern wollen, darüber sprachen mit Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDWE), und Dr. Gerd Leutner, Partner der CMS Hasche Sigle, zwei kompetente Akteure. Nach Einschätzung von Kapferer besteht insbesondere hinsichtlich des Ausbaus privater Ladepunkte dringender Handlungsbedarf. Denn 85 Prozent der Ladevorgänge würden zuhause oder am Arbeitsplatz vorgenommen. Allerdings sind dafür zunächst einige Änderungen im Miet- und Wohneigentumsrecht erforderlich. Außerdem müsse der Rechtsrahmen mutig ausgefüllt, Best Practice umgesetzt sowie Experimentierfreude und Privatinitiative gefördert werden, so Leutner.

Mit seiner Environmental Challenge 2050, hat sich auch TOYOTA zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen des Unternehmens bis 2050 auf Null zu fahren. Wasserstoffbasierte Antriebe sind dabei Teil der Mobilitätsstrategie. Am Beispiel des Mirai verdeutlicht Ferry M. M. Franz, Direktor Konzernrepräsentanz Toyota Motor Europe, die Vorteile. Die Reichweite wasserstoffbetriebener Fahrzeuge stellt sich langstreckentauglich dar (derzeit 550 km), als Abfallprodukt entsteht lediglich Wasser und der Tankvorgang geht innerhalb von 3 bis 5 Minuten einfach vonstatten. Besonders die Zusammenarbeit mit Flottenbetreibern ermöglicht TOYOTA gleichermaßen Nutzererfahrungen zu sammeln und den Roll-out des Mirai zu steuern.

 

(v.li.) Florian Arndt (Geschäftsführer, Sons of Motion Pictures GmbH), Katrin Pape (Geschäftsführerin, MVCon InnovationLab GmbH), Dr. Holger Naduschewski (Geschäftsführer, Volkswagen Bildungsinstitut GmbH), Dr. Jens Katzek (Geschäftsführer ACOD GmbH), Reinhilde Willems (Geschäftsführerin Operativ, Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit), Dirk Wottgen (Leiter Personal, BMW Group Werk Leipzig)

 

Anschließend diskutierten Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, von BMW, von Volkswagen, MVCon InnovationLab sowie Sons of Motion Pictures, wie sich Qualifizierung und Arbeit durch den Einsatz innovativer Technologien bis hin zu Künstlicher Intelligenz wandeln. Damit der Mensch Wissensträger in der Fabrik der Zukunft bleibt, wurde Anfang 2019 das Qualifizierungschancengesetz auf den Weg gebracht. Es soll dafür Sorge tragen, dass Arbeitnehmer dem zunehmend digitalisierten und automatisierten Arbeitsmarkt gewachsen sind. Mit dem Teilhabechancengesetz werden Chancen von Langzeitarbeitslosen auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt gefördert. Die Beschäftigungsfähigkeit Langzeitarbeitsloser soll durch intensive Betreuung, individuelle Beratung und wirksame Förderung gezielt verbessert werden. Die Experten betonten zudem, dass in der Fabrik der Zukunft eine Flexibilisierung der Arbeitswelt gefragt ist. Flexibles Arbeiten unterstützt beispielsweise die App von Vote2Work, ein vielfach prämiertes Werkzeug eines Start-ups. Es ermöglicht die Personaleinsatzplanung über digitale Anfrage- und Abstimmungsprozesse zwischen allen Beteiligten, kollaborativ und in Echtzeit.

In den zwei darauffolgenden parallelen Workshops offerierten Vertreter von OEM, Zulieferern, Start-ups und Forschungsinstituten - wie BMW, Werkzeugbau Volkswagen, Fraunhofer, InfAI, Otto-von-Guericke-Universität, XITASO, Leesys, Enginsight, COMAN, ccc Software, CCVOSSEL und Wandelbots - kreative Lösungsansätze im Bereich Flexibilisierung der Produktion sowie Digitalisierung.

Das gemeinsame Netzwerkfrühstück, die Pausen zwischen den Vorträgen, die Workshops sowie die begleitende Fachausstellung wurden intensiv zum Vernetzen mit Entscheidungsträgern von Automobilherstellern, Zulieferern, Forschern und Branchenkennern genutzt.

 

Wir danken unseren Sponsoren für ihre Unterstützung!

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