Mit virtueller Realität junge Menschen für industrielle Berufe begeistern

Mike Kusche (Technischer Sachbearbeiter Arbeitsorganisation) zeigt das virtuelle Training für die Hochvolt-Bauteilerklärung am Triebsatz eines E-Golfs

 

Die Volkswagen Sachsen GmbH war am 17.5.2018 Gastgeber für einen Workshop von Personalern von Automobilherstellern und Automobilzulieferern im Fahrzeugwerk Zwickau. Unter dem Motto: „Azubimarketing: Das Autoland Sachsen denkt um - Volkswagen Sachsen als Magnet für eine ganze Region.“ begrüßte Dirk Coers, Geschäftsführer Personal und Organisation der Volkswagen Sachsen GmbH, u.a. Gäste und Mitglieder des ACOD. Als langjähriges ACOD Mitglied engagiert sich Volkswagen Sachsen seit vielen Jahren im ACOD.

Herr Coers stellte Konzepte vor, mit denen geeigneter Nachwuchs in der Region angesprochen wird. Wie die klassische Automobilindustrie für junge Leute „attraktiv“ gemacht werden kann, zeigte er eindrucksvoll in einem von jungen Menschen aus dem Unternehmen eigenständig entwickelten Standortvideo. Darüber hinaus brachte er zur Sprache, dass neue Themen wie Arbeit 4.0, Mensch–Roboter-Kollaboration und agiles/mobiles Arbeiten auf den Plan zögen, mit denen sich auch die Personalabteilungen der Automobilindustrie insgesamt inkl. die KMU-Landschaft vermehrt auseinandersetzen müsse. Nicole Enderlein, Referentin Berufsausbildung bei der Volkswagen Sachsen GmbH, knüpfte daran an und stellte aktuelle Aktivitäten vor, wie Volkswagen Sachsen die Generation Z anspricht. Sie zeigte dazu unter anderem die Erfolge aus Beratungslehrerabend und Familieninfoabend auf. Denn um Begeisterung für industrielle Berufe zu vermitteln, werden Eltern und Lehrer/-innen als Zielgruppe immer wichtiger. Beide Initiativen stellen das „Erleben statt nur reden“ in den Mittelpunkt.

Anschließend stellte Herr Krauß, stellvertretender Werkleiter bei MAGNA Meerane GmbH, heraus, wie Auszubildende für das Unternehmen begeistert werden. Er bekräftigte, dass der Erfolg bei MAGNA vor allem auf den Zusammenhalt in der Mitarbeiterschaft zurückzuführen sei. Dieser werde unter anderem durch Firmenläufe, Fußballturniere oder Familienfeste gefördert und wirke sich positiv auf die Azubisuche aus. Herr Krauß stellte des Weiteren eine eigene Mitarbeiter-App sowie die zielgruppengerechte Nutzung von Recruiting-Kanälen und YouTube vor.

Nach einem Werksrundgang präsentierte Frau Enderlein das virtuelle und digitale Training mit der HTC VIVE, so wie es auch den Anwärtern auf eine Ausbildungsstelle vorgestellt wird. Die Gäste durften sich unter Anleitung von Herr Kusche, Technischer Sachbearbeiter Arbeitsorganisation, an dem virtuellen Training versuchen.  Diese nicht alltäglich zugängige Technologie fand bei den Gästen großen Anklang. Insbesondere KMU könnten sich hier Ansätze für ein modernes, technologieorientiertes Azubimarketing anschauen.

Das KMU Onkel Sax, Gewinner-Projekt vom „Ausbildungsass 2017“, stellte danach seinen Ansatz vor. Frau Pulwer-Simmat zeigte auf, dass Kooperationen mit regionalen Schulen sehr wichtig sind.  „Wir brauchen die Eltern im Boot, ohne die geht es nicht“, so ihr Statement. Frau Pulwer-Simmat bemängelte außerdem, dass KMU ihre Websites nicht für Smartphones optimiert anbieten.

Unter Leitung von Frau Schlender,  Human Resources von thyssenkrupp System Engineering GmbH, wurde eine Expertendiskussion geführt. Es wurde über gemeinsame Herausforderungen bei der Azubigewinnung gesprochen und wie diesen zu begegnen sein könnte. Die Gruppenarbeit ergab, dass Instagram-Stories sinnvoll sein, hierbei aber Datenschutzprobleme auftreten können. Erfolgreiches Recruiting über Social Media sei kaum messbar, ebenso seien Erfahrungen mit WhatsApp und Snapchat bisher nicht wirklich vorhanden. Laut einer Studie aus Brandenburg haben nur 38 Prozent der jungen Menschen soziale Medien zur Bewerbung benutzt.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass der demographische Wandel in der Automobilindustrie angekommen ist. Zum ersten Mal können neben KMU auch die Großunternehmen aus der Region nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Das fordert die Aktivitäten im Personalwesen umso mehr, denn neben dem Auffinden der „Perlen“ kann der Zuzug aus dem Ausland eine Möglichkeit sein, dem drohenden Nachwuchsmangel zu begegnen. Zunehmend muss die Verzahnung von Schulen der Region und Unternehmen intensiviert und Verbünde geschaffen werden, um Schüler/-innen für die Automobilindustrie zu begeistern.

 

Gefördert als JOBSTARTER plus-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds

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