Mega-Investitionen in Sachsen-Anhalt: Staatssekretär Dr. Jürgen Ude im Interview mit dem ACOD

 

ACOD: Herr Dr. Ude, Porsche und Schuler bauen ein Presswerk in Halle und der US-Batteriehersteller Farasis Energy eröffnet sein erstes europäisches Werk in Bitterfeld-Wolfen. Zwei Investitionsentscheidungen in so kurzer Zeit im Automobilbereich in Sachsen-Anhalt. Wurde hier gerade ein Schalter umgelegt, der Sachsen-Anhalt besonders attraktiv erscheinen lässt oder nur ein Zufall?

Dr. Jürgen Ude: Dies ist sicherlich kein Zufall. Hier setzt sich ein kontinuierlicher Prozess um, welcher im Jahr 1999 in Sachsen-Anhalt begonnen hat. Ausgehend von der Förderung des Bundes zur Clusterbildung bis hin zur Sicherung der Nachhaltigkeit durch das Land Sachsen-Anhalt. Es ist in den letzten Jahrzehnten viel in die Forschungsinfrastruktur der wissenschaftlichen Einrichtungen aber auch in Verbundprojekte der Unternehmen investiert worden. Ein stabiler Partner bei der Umsetzung war und ist unser Cluster MAHREG Automotive.

ACOD: In welcher Form unterstützt(e) das Land die Neuansiedlungen?

Dr. Jürgen Ude: Zuerst einmal gibt es die Möglichkeit der Unterstützung durch Fördermaßnahmen. Hier ist die Gemeinschaftsaufgabe der regionalen Wirtschaftsförderung (GRW) zu nennen. Weiterhin werden natürlich Kooperationen zu Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen, kommunalen Wirtschaftsförderern und der Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) organisiert. Neuansiedlungen sind mittlerweile keine Flächenansiedlungen mehr allein. Hier werden wir das Thema Fachkräfte gemeinsam angehen müssen.

ACOD: Welche Veränderungen wird die beabsichtigte Großinvestition von Farasis Energy aller Voraussicht nach für Sachsen-Anhalt mit sich bringen? Wird Farasis Energy in Sachsen-Anhalt, neben einem reinen Fertigungszentrum, auch ein Forschungszentrum aufzubauen? Oder ist im Bereich F&E eine Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen vor Ort geplant?

Dr. Jürgen Ude: Die Ansiedlung von Farasis wird wesentlich dazu beitragen, dass der Strukturwandel in der Region Bitterfeld-Wolfen gelingen wird. Die Vorstellungen des Unternehmens gehen dahin, neben der Fertigung die Forschungsaktivitäten auf diesen Standort zu konzentrieren. Dementsprechend bieten sich Kooperationen mit Hochschulen wie der HS Anhalt, HS Merseburg, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg sowie den wissenschaftlichen Einrichtungen der Fraunhofer Gesellschaft an.

ACOD: Da es keinen Automobilproduzenten in Sachsen-Anhalt gibt, die Frage: Wie wichtig ist die Automobilbranche für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt?

Dr. Jürgen Ude: Trotz des fehlenden Automobilproduzenten zählt die Zulieferindustrie zu den Schlüsselbranchen in Sachsen-Anhalt. Mit 24.000 Beschäftigten und 270 Unternehmen zuzüglich Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist sie Innovationstreiber.

ACOD: Prognosen zufolge werden im Jahr 2025 knapp 1,6 Millionen Elektroautos aus deutschen Werken kommen. Zu erwarten ist dann eine spürbare Verschiebung der Wertschöpfung von konventionellen hin zu elektrifizierten Antrieben. Sind die sachsen-anhaltinischen Zulieferer aus Ihrer Sicht für diese Entwicklung ausgerüstet und wie will das Land diesen Prozess unterstützen?

Dr. Jürgen Ude: Natürlich bereiten wir uns gemeinsam auf diesen Prozess vor. Mit dem Cluster MAHREG Automotive organisieren wir Zukunftsdialoge und Tage der Elektromobilität. Wir werden in den nächsten Jahren weiterhin in die automotivnahe Infrastruktur investieren und unsere Forschungs- und Förderlandschaft anpassen. Dies gilt insbesondere für unseren Leitmarkt „Mobilität und Logistik“. Dieser wird weiterhin bestimmend, auch für die neue Förderperiode der EU sein.

Weiterhin nutzen wir aber auch die Veranstaltungen des ACOD. Die hier zur Verfügung gestellten Informationen und bestehenden Kooperationen helfen bei diesem Entwicklungsprozess.

ACOD: Hand auf Herz: Sie haben selbst viele Jahre in der Automobilbranche gearbeitet. Wie viel von diesem Wissen hilft Ihnen heute und was sind die Dinge, die Sie Staatssekretär neu haben lernen müssen?

Dr. Jürgen Ude: Die gesammelten Erfahrungen über beinah zwei Jahrzehnte in und mit der Automobilbranche sind ein Schatz für die Umsetzung derartiger Projekte. Die vorhandenen Netzwerke und persönlichen Kontakte erleichtern die Entscheidungen und Handlungen wesentlich.

Neu ist natürlich die zu tragende Gesamtverantwortung dieser Prozesse. Damit verbunden sind Regularien die einzuhalten sind, die man lernen muss. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gremien ist jedoch spannend und kooperativ, wie man an der erfolgreichen Umsetzung der genannten Projekte sieht.

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