100 Prozent Lohnzuschuss – für jede Einstellung

Infografik © BMAS

 

Mit dem Teilhabechancengesetz sollen Menschen wieder in Lohn und Brot gebracht werden, die bisher kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen haben. Mit etwas Unterstützung können diese Frauen und Männer nach kurzer Zeit die Fachkräfte im Unternehmen unterstützen und entlasten.

Seit diesem Jahr können Arbeitgeber Lohnzuschüsse über mehrere Jahre für bis zu 100 Prozent erhalten, wenn sie langzeitarbeitslose Menschen einstellen. Auch Kosten zur Sozialversicherung, Weiterbildung und Coaching können übernommen werden. Ziel ist immer, diesen Kunden eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt und damit soziale Teilhabe zu geben.

Der neue Förderzuschuss „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ ist für sehr arbeitsmarktferne Personen gedacht. Diese müssen in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre Leistungen der Grundsicherung bezogen haben. Deshalb erhalten Arbeitgeber in den ersten beiden Jahren einen Zuschuss von 100 Prozent. In den drei folgenden Jahren wird er um jeweils zehn Prozent reduziert. Auch können hier die Kosten einer Weiterbildung bis zu 3000€ übernommen werden.

Der Förderzuschuss „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ soll länger andauernde Arbeitslosigkeit verhindern. Damit wird die Einstellung von Frauen Männern bezuschusst, die mindestens zwei Jahre arbeitslos sind. Im ersten Jahr erhalten die Unternehmen einen Lohnzuschuss in Höhe von 75 Prozent, im zweiten Jahr von 50 Prozent.

In beiden Programmen ist ein begleitendes Coaching vorgesehen. Dies soll die Arbeitnehmer unterstützen, im Berufsleben Fuß zu fassen – sie helfen beispielsweise bei Problemen am neuen Arbeitsplatz, in der Familie oder bei Schwierigkeiten mit der Organisation des Alltags.

Unternehmer die Teilhabe mitgestalten wollen, wenden sich an das Jobcenter in ihrer Region. Das Jobcenter stellt alle relevanten Informationen zur Verfügung und informiert vor Ort – direkt im Unternehmen – zu den verschiedenen Fördermodellen.

Erklärfilm: https://www.bmas.de/SharedDocs/Videos/DE/Artikel/Arbeitsmarkt/erklaerfilm-sozialer-arbeitsmarkt.html

 

Kontakt:

Der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und Jobcenter bietet viele konkrete Fördermöglichkeiten für Unternehmer, zum Beispiel Eingliederungszuschuss, Arbeitsgelegenheiten, Assistierte Ausbildung oder Ausbildungsbegleitende Hilfen.

Sie erreichen den regionalen Ansprechpartner unter der gebührenfreien Service-Nummer: 0800 4 5555 20

Zusätzlich steht Ihnen die sächsische Koordinatorin gern zur Verfügung.
Ramona Lohse
0371 9118 427

 

 

Fünf Tipps für die ersten 100 Tage

Langzeitarbeitslose Frauen und Männer haben es oft schwer, wieder Tritt im Beruf zu finden. Doch mit ein wenig Hilfe steigen die Chancen für einen erfolgreichen Start.

Was Arbeitgeber tun können, damit das Arbeitsverhältnis gut funktioniert:

1. Vorbereitung

Ob ein Langzeitarbeitsloser in den eigenen Betrieb passt oder nicht, lässt sich am besten im persönlichen Gespräch mit dem Kandidaten und dem Jobvermittler klären. Im besten Falle erfahren Arbeitgeber dort auch, welche persönlichen Stärken und Schwächen der Bewerber mitbringt und können sich darauf einstellen. Wenn nötige Kenntnisse für den Job fehlen, kann das Jobcenter weiterhelfen: Bei einer Stellenzusage finanziert es häufig die entsprechende Qualifizierungsmaßnahme. Auch während der Einarbeitungszeit kann eine Weiterbildung sinnvoll sein. Häufig lohnt es sich, die Förderprogramme des Jobcenters dafür in Anspruch zu nehmen. Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, den Arbeitsplatz und alle Arbeitsgeräte vom ersten Tag an bereitzustellen.

2. Klarheit

Der Arbeitgeber sollte seine Erwartungen klar formulieren – am besten schriftlich. Wie sind Arbeitszeit und Pausen geregelt? Unter welchen Voraussetzungen ist Urlaub möglich? Wann muss dem Betrieb eine Krankmeldung vorliegen? Auch das Verhalten gegenüber Kunden und Kollegen sollte definiert sein. Im Idealfall erstellt der Betrieb noch vor Arbeitsbeginn eine genaue Stellenbeschreibung. Hilfreich sind auch Prozess- und Checklisten, die der Neuling zum Nachschlagen seiner Aufgaben nutzen kann. Ein Einarbeitungsplan mit klar definierten Schritten hin zum Ziel gibt den Weg für beide Seiten klar vor. Wichtig ist dabei, dem Mitarbeiter eine angemessene Einarbeitungszeit zuzugestehen – denn die meisten Langzeitarbeitslosen müssen häufig zuerst Struktur im Alltag lernen, Motivation erfahren und erste Erfolge in der Arbeit erleben.

3. Akzeptanz

Für Langzeitarbeitslosigkeit gibt es unterschiedliche Gründe. Oft geht sie mit persönlichen Einschränkungen einher. Doch sollten Arbeitgeber auch das Potenzial des neuen Mitarbeiters erkennen und ihm den Rücken stärken. Wer Verständnis für Probleme signalisiert und Verhaltensweisen hinterfragt, statt sie gleich zu kritisieren, schafft die Basis für eine gute Integration. Auch die anderen Beschäftigten spielen eine wichtige Rolle: Nicht selten beschweren sich die Kollegen, wenn die Arbeitsleistung des Neuzugangs geringer ist als ihre eigene. Doch insbesondere wenn der Betrieb großzügige finanzielle Zuschüsse für die Einstellung eines Langzeitarbeitslosen erhält, gelten andere Maßstäbe. Wer das vorab offen im Betrieb kommuniziert, vermeidet Ärger und Frust auf allen Seiten.

4. Mentor

Kritik vom Vorgesetzten, Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung oder finanzielle Sorgen – auch wenn die erste Zeit im Betrieb erfolgreich verlaufen ist, können kleine Rückschläge große Probleme verursachen. Dagegen helfen kann ein Mentor. Wichtig ist, dass es sich um eine Vertrauensperson handelt, die bei Bedarf auch zwischen Chef und Neuzugang vermitteln kann. Sie sollte ehrliches Interesse zeigen und Schwierigkeiten offen ansprechen. Intern kann diese Rolle ein langjähriger Mitarbeiter übernehmen. Doch auch ein externer Coach kann sinnvoll sein, besonders wenn er im Zuge einer Fördermaßnahme bereits mit dem ehemals Langzeitarbeitslosen zu tun hatte. Mit den beiden neuen Fördermodellen steht für die gesamte Zeit der Förderung ein Coach bereit, hilft, unterstützt und vermittelt.

5. Flexibilität

Alle Arbeitnehmer wissen Teilzeitangebote, Gleitzeit oder Qualifizierungsangebote zu schätzen. Das gilt in besonderem Maße für Menschen, die längere Zeit ohne feste Anstellung waren. Manchen kann es helfen, zunächst mit einer verkürzten Arbeitszeit zu beginnen und diese dann Schritt für Schritt zu verlängern. Andere sind möglicherweise mangels Auto auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und freuen sich, wenn sie etwas früher oder später beginnen dürfen als im Betrieb üblich. Und wieder andere wünschen sich Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder würden gerne den Führerschein machen. Wer für solche Anliegen ein offenes Ohr hat, dem sind die Dankbarkeit, Loyalität und Motivation des Betroffenen gewiss. So zahlt sich das Entgegenkommen am Ende für beide Seiten aus.

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