Coronavirus ACOD-Interview mit Dr. Frank Löschmann

ACOD-Interview mit Dr. Frank Löschmann zur Bedeutung von China

Dr. Jens Katzek: Sie sind sehr aktiv im Projektgeschäft in China und haben schon eine Reihe von Betriebsstätten für Kunden errichtet.  Wird das Corona Virus grundlegenden Fragen in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung Chinas aufwerfen, z.B. dass mehr Produktionsstätten im Ausland aufgebaut werden oder dass Entwicklungen wie das Social Credit System zunehmen werden?

Dr. Frank Löschmann: Die wirtschaftliche Entwicklung im Gegensatz zu Europa ist wesentlich schnelllebiger, d.h. Einbrüche oder Wachstum sind auch erheblich volatiler, mit allen positiven oder negativen Auswirkungen. Ich denke, dass China nach der schwierigen Zeit zuerst für die wirtschaftliche Stabilisierung im Land sorgen wird und dann die langfristigen Pläne wie Seidenstraße und Investitionen international aufnehmen wird. Die finanzielle Erholung ist dafür jedoch Voraussetzung.

Die KP China hat auch deshalb eine solch starke Rolle, weil es eine Art Pakt zu geben scheint, den man am besten umschreiben kann mit: „Der Staat sorgt für das Volk - dafür akzeptiert das Volk gewisse Einschränkungen“.  Sehen Sie diese starke Rolle der KP durch deren bisheriges Verhalten im Rahmen der Krise eher gestärkt oder geschwächt?

Gefühlt hat der Satz seine Berechtigung und die harten Maßnahmen bei nicht ausreichender Handlung der Regierungsstellen in Wuhan bestätigen das. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung empfand ich schon als deutlich spürbar und das hat auch Einfluss auf die Reaktion der chinesischen Regierung. Die aus unserer Sicht extremen Maßnahmen sind vermutlich ein Zeichen für Bevölkerung und Ausland.

Glauben Sie, dass die chinesischen Unternehmen, die Produktionsausfälle im Laufe des Jahres „aufholen“ werden - was auch zu einem erhöhten Druck für die Zulieferer führen könnte?

Ohne die einzelnen Unternehmen und die lokale Marktsituation beurteilen zu können, halte ich es für unwahrscheinlich, dass ein Aufholen problemlos möglich oder auch sinnvoll sein wird. Die globalen Spannungen und die absehbare Reduzierung des BIP in China und weltweit deutet auf eine langsame Erholung hin. Die Mediziner haben vielleicht eine bessere Einschätzung, ab wann es wieder im Normalablauf weitergeht, das ist für uns dann auch der Restart im Chinageschäft.

Mal eine Frage außerhalb der Coronavirus-Debatte. Es gab in den vergangenen Monaten immer wieder Meldungen, wonach die batteriebetriebene Mobilität in China bereits wieder „out“ sei und die Regierung dafür jetzt die wasserstoffgetriebene Mobilität forciert. Eingedenk der Tatsache, dass Unternehmen wie VW fast 50% Ihres Umsatzes in China machen, stellt sich da die Frage: Ist der derzeitige Fokus auf Batterien also schon wieder veraltet, bevor er überhaupt richtig Fuß gefasst hat? Wenn man sich anschaut, was derzeit an Batteriefabriken in Deutschland geplant und gebaut wird, und wenn man sich das Auftragsvolumen zwischen den OEM und den Batteriezulieferern anschaut, kann ich das kaum glauben.

Meine persönliche Ansicht zum Thema Elektromobilität ist, dass kein Weg daran vorbeigeht in erheblichem Rahmen und zwar kurzfristig umzustellen. In China ist durch die lokale Emissionsbelastung in den Städten das Problem noch wesentlich gravierender. Die noch vorhandene Irritation durch die Senkung der Förderungen für E-Mobilität in China sehe ich eher als Bereinigung von vorhandenem Wildwuchs der Vielzahl von Industriebetrieben, die in dieser Anzahl sicher keine wirtschaftliche Überlebensmöglichkeit haben. Die batteriebetriebene Elektromobilität wird also weiter gefordert und zukünftig auch gefördert, soweit habe ich die Nachrichten aus China verstanden. Die Elektromobilität hat gegenüber der Wasserstoffnutzung in China, wie auf dem Rest der Welt, mit Sicherheit seine Berechtigung. Nach der aktuellen Vorstellung kurze Strecken/wenig Gewicht Batterie – lange Strecken/hohes Gewicht Brennstoffzelle, haben beide Konzepte Ihre Berechtigung. Da die Entwicklungen in beiden Richtungen noch großes Potential haben, ganz besonders im Wasserstoff, denke ich, dass es kein entweder – oder, sondern ein sowohl-als auch geben wird. Schön wäre es, wenn es uns gelingt in Europa den technischen Vorsprung in produktive Lösungen umzusetzen. Bei den Batterien hat Europa zurzeit nicht die Nase vorn, im Brennstoffzellen-Wettbewerb ist das Ergebnis noch offen.

Kontakt:
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Dr. Frank Löschmann
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