Beschleunigung in Richtung einer CO2-freien Zukunft der Mobilität

 

Wir befinden uns mittendrin in reißenden Umbrüchen. Die Gesellschaft verändert sich und die Automobilindustrie muss schritthalten. Der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor wird in den nächsten Jahren unweigerlich zurückgehen. Im PKW-Bereich wird dies schneller der Fall sein, als im LKW-Bereich.

Am 14. Juli hat die Europäische Kommission ihr „Fit for 55“ betiteltes Gesetzespaket für eine erhebliche Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes vorgestellt. Bis 2030 sollen die Netto-Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent sinken im Vergleich zu 1990. Laut Kommissionschefin von der Leyen habe circa ein Dutzend der großen Automobilhersteller in Deutschland und Europa bereits angekündigt, dass sie ihre Flotte zwischen 2028 und 2035 umstellen werden auf ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge.

Allen voran Ostdeutschland hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Zentrum der Elektromobilität entwickelt – mit Volkswagen in Zwickau, Porsche und BMW in Leipzig, Mercedes-Benz in Ludwigsfelde, Opel in Eisenach und bald auch Tesla in Grünheide.

Die Transformation der Automobilindustrie stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung von ACOD Kongress und Mitteldeutschem Logistikforum am 1. September. In der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden kamen 160 führende Branchenvertreter unter strengen Hygieneauflagen zusammen, um über die an Fahrt gewinnende Elektromobilität, die zunehmende Flexibilisierung von Produktion und Logistik sowie über die Arbeit der Zukunft zu diskutieren.

Der Klimawandel und die Energiewende ziehen uns in die Verantwortung, ganzheitlich Lösungen für die Wertschöpfungskette zu schaffen, damit sich die Automobilindustrie nachhaltig wandeln kann. Die zentrale Frage ist nicht „Wann?“, sondern „Wie?“.

Strategiewechsel: „Electric First“ wird zu „Electric Only“

Die Automobilhersteller in Ostdeutschland verfolgen ambitionierte Ziele. Das wurde in der Werkleiterrunde einmal mehr deutlich. So findet bspw. bei Mercedes-Benz ein Strategiewechsel statt. „Electric First“ wird zu „Electric Only“. Zudem soll die Transformation zur CO2-Neutralität entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorangetrieben werden. Auch eine stärkere Vernetzung sei dafür notwendig. Für die Zulieferer ist dies eine große Herausforderung. Zusammen mit innovativen und intelligenten Lösungen könne die Produktion jeden Tag ein Stück effizienter gemacht werden. Experten zufolge werden große Unternehmen die Transformation bewältigen – Mittelständler durchaus auch – aber es wird auch Unternehmen geben, die das nicht leisten können.

Im Frühjahr 2021 haben der VDA und Deloitte eine Online-Befragung unter 83 Zulieferungsunternehmen für Autoteile und -zubehör durchgeführt und untersucht, wie es um die Transformation bei den deutschen Automobilzulieferern steht. Die Ergebnisse zeigen, die große Mehrheit der befragten Zulieferer setzt auf Elektromobilität als die Technologie der Zukunft und befinden sich mitten in der Transformation.

Es ist höchste Zeit, die Weichen für die Elektromobilität zu stellen.

„Vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist nun entscheidend“, betont Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des ACOD – denn viele schrecken vor dem lückenhaften Schnellladenetz zurück. „Damit Elektrofahrzeuge zu Hause oder am Arbeitsplatz problemlos geladen werden können, müsse mit staatlicher Förderung die Infrastruktur ausgebaut werden.“

Wie kann die Akzeptanz für die Elektromobilität gestärkt werden? Welche Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für Unternehmen? Diese Fragen gilt es zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden.

 

Mitarbeiter:innen sind das höchste Gut! Sie machen den Unterschied.

Alle Wertschöpfungsketten sind von Fachkräftemangel betroffen. Die Festigung und der Ausbau der Standortattraktivität ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Mit den sich ändernden Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft, ändern sich auch die Anforderungen an Arbeit und die Menschen. Die neuen Technologien schaffen neue Aufgaben, für die Mitarbeiter:innen gerüstet sein müssen. Um sie auf der Reise in die CO2-freie Zukunft der Mobilität nicht zu verlieren, müssen insbesondere Führungskräfte viel tun, denn die Mitarbeiter:innen sind das höchstes Gut.

Mehrfach wurde während des Kongresses betont, dass darauf geachtet werden müsse, qualifiziertes Personal zu halten. „Jemand der heute 45 ist, wird künftig dringend gebraucht werden, da der demographische Übergang die Fachkenntnisse dieser Menschen rar machen wird.“ Angesichts der modernen, digitalen Technologien ist es besonders in der Erwachsenenbildung und der Qualifizierung älterer Mitarbeiter:innen wichtig, die Menschen konsequent zu begleiten, da diese durch ein Gefühl des Zurückfallens leichter demotiviert werden können als die Generation der Digital Natives.

Restrukturierung im Unternehmen kann durch interne Qualifizierung von Bestandsmitarbeiter:innen ohne Personalabbau umgesetzt werden. Kostenintensiv gebildete Werte und Kompetenzen lassen sich so im Unternehmen halten. Die Bundesagentur für Arbeit bietet dabei mit dem Qualifizierungschancengesetz Unterstützung für Unternehmen im Bereich Umschulung und Weiterbildung.

Gerade durch die Corona-Pandemie und Lieferengpässe sind die Mitarbeiter:innen in dieser Zeit verunsichert. Kommunikation und enge Zusammenarbeit mit dem Sozialpartner können den Standort Deutschland langfristig stabil machen. Zudem ist für den Wirtschaftsstandort eine zeitgemäße Ausbildungsstrategie enorm wichtig.

 

Der Kongress fand bereits im vierzehnten Jahr in Folge statt und ist nicht nur wichtige Netzwerkveranstaltung, um einen Dialog mit Entscheidungsträgern aus Großindustrie, Mittelstand, Wissenschaft und Politik anhand konkreter betrieblicher Erfahrungen zu schaffen, sondern auch thematischer Pulsgeber für die gesamte Automobilindustrie in Ostdeutschland.

 
 
Bildnachweis: © Nadine Schenker (ACOD)
 
 

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