Liebe Mitstreiter im ACOD-Netzwerk

Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer ACOD
Unsere Branche schaut auf ein Jahr der Widersprüche zurück. Der Wettbewerb bei E-Fahrzeugen und in der Batteriezellproduktion hat eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit von asiatischen Herstellern deutlich werden lassen. Bei allen nach oben weisenden Absatzzahlen für die E-Mobilität bleibt die Kaufzurückhaltung der Kunden weiterhin zu hoch, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Deshalb war eine Angleichung der Ziele für 2035 unabdingbar, ohne deshalb die Richtung für Elektromobilität aufzugeben. Im Gegenteil.
Fakt ist auch: Die Auslastung und Beschäftigung bei fast allen OEMs und Lieferanten sind stark ins Wanken geraten. Ja, es gibt neue Förderinstrumente für den Kauf von E-Fahrzeugen – aber wie so häufig steckt der Teufel im Detail.
Die Batterieforschung wird wieder gefördert – aber in der Produktion und im Batterie-Recycling bleibt es bei einer Verunsicherung.
Alle Akteure in den Unternehmen und Forschungseinrichtungen wissen, dass wir technologisch viel schneller vorangehen müssen, dass wir um ergebnisorientierte und langfristig angelegte Förderung kämpfen und dass wir noch viel enger und partnerschaftlich zusammenarbeiten müssen.
Richten wir also den Blick nach vorn:
Neue E-Mobilitätsförderung: Impuls – aber kein Selbstläufer
Die jüngst angekündigte zukünftige Förderung für Elektrofahrzeuge in Deutschland setzt ein wichtiges politisches Signal: Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sollen künftig gezielt entlastet werden. Zudem ist geplant, nicht nur reine Elektrofahrzeuge, sondern auch Plug-in-Hybride wieder zu fördern.
Was bedeutet das für die Industrie? Vor allem dies: Die Marktdynamik kann nach der bis dato anhaltenden Verunsicherung der Kunden wieder Fahrt aufnehmen. E-Autos sind immer noch teuer. Mit steigender Nachfrage sind gute und effektive Skaleneffekte zu erwarten. Daher kann die gezielte Unterstützung für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen etwas bringen.
Die finale Lösung ist das aus meiner Sicht aber nicht. Generelle Kaufanreize oder beispielsweise Abwrackprämien sind in der Übergangsphase zur E-Mobilität unerlässlich und zwingend notwendig. Der Kunde entscheidet ganz einfach nach Preis, Kosten im Lebenszyklus, Nutzbarkeit im Alltag, Energiepreissicherheit und so weiter.
Wir brauchen aber auch klare und kalkulierbare Stromkosten für das öffentliche und private Laden – mit Anreizen wie beim Diesel, die bis heute bestehen. Wir brauchen Stabilität und Standardisierung im Lademanagement und in der Ladeinfrastruktur. Dann werden reine finanzielle Kaufanreize keine Bedeutung mehr haben.
Für unsere Wertschöpfungskette sind zusätzliche strukturelle Förderungen wichtig – etwa für die Batteriewirtschaft, die Ladeinfrastruktur, die Batterieproduktion, das Batterie-Recycling und für digitale Prozesse bzw. KI. Genau hier entscheidet sich, wie wettbewerbsfähig und resilient wir in den kommenden Jahren wirklich sein werden.
Zukunftssicherheit / technische Entwicklung
Elektronik und Softwareentwicklung sind ebenso zukünftige Wettbewerbsfaktoren wie die Batterietechnik. Die Batterien werden die Know-how-Träger der Zukunft sein und entscheidend für die Einordnung im internationalen Wettbewerb. Europa hat hier durchaus noch die Chance auf eine Lead-Funktion – aber nur, wenn wir noch viel enger zusammenrücken, Wissens- und Technologietransfer in noch nicht gekanntem Ausmaß zulassen und uns öffnen. Der ACOD setzt mit dem TraWeBa-Projekt genau hier an. Es ist gut und richtig, dass die Förderung für dieses Langfrist-Projekt auch 2026 fortgesetzt wird.
Externer Wettbewerbsdruck: China & globale Lieferketten
Der internationale Wettbewerb verschärft sich weiter. Chinesische Hersteller und Zulieferer bauen ihre Batterietechnologien, die Produktionskapazitäten und die globalen Lieferketten konsequent weiter aus. Sie konkurrieren dabei nicht mehr nur über den Preis, sondern zunehmend über technologische Führerschaft und Know-how.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Embargos, unnötige Einfuhrzölle und Exportkontrollen bei kritischen Rohstoffen. Für europäische Unternehmen heißt das: Strategische Risiken neu bewerten, Abhängigkeiten reduzieren und Lieferketten robuster aufstellen – aber eben auch international stärker miteinander kooperieren.
Jetzt sind Resilienz, Unabhängigkeit und Kooperation gefragt.
Gerade in den Bereichen Batterietechnologie, Rohstoffsicherung, Recycling und nachhaltige Wertschöpfung liegt ein enormes Potenzial. Die Batterie bleibt eine der wertschöpfungsstärksten Komponenten eines Elektrofahrzeugs – und damit ein strategischer Schlüssel sowie der Know-how Träger für die gesamte Fahrzeugindustrie.
Es braucht gezielte Kooperationen – nicht nur zwischen OEMs und klassischen Zulieferern, sondern verstärkt auch mit Start-ups, Technologieanbietern sowie der Forschung und internationalen Interessenten. Mehr Resilienz und mehr Unabhängigkeit entstehen nur, wenn wir gemeinschaftlich investieren, forschen und neue Geschäftsfelder entwickeln.
Zulieferer zeigen sich zunehmend offen für Zusammenarbeit, insbesondere dort, wo Dual-Use-Technologien entstehen. Innovationen in Materialwissenschaft, Elektronik, Sensorik, Softwareentwicklung oder Systemarchitekturen besitzen häufig Anwendungspotenzial sowohl im zivilen Mobilitätssektor als auch in sicherheitsrelevanten Bereichen. Diese Schnittstellen bieten die Chance, Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln, technologische Entwicklung zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken – ohne den zivilen Fokus zu verlieren.
Kooperation ist ein strategisches Instrument, um Innovationen schneller zu skalieren, neue Marktsegmente zu erschließen und globale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.
Ambivalenz: Erfolg möglich – aber nicht selbstverständlich
Es gibt positive Beispiele, die zeigen: Transformation kann gelingen. Doch gleichzeitig kämpfen viele Hersteller und Zulieferer mit sinkender Nachfrage, steigenden Kosten und Margendruck. Besonders kleinere Zulieferer laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren, wenn sie nicht rechtzeitig Kompetenzen erweitern und neue Geschäftsfelder entwickeln.
Der Weg nach vorn verlangt Mut, Entschlossenheit und strategische Weitsicht. Es braucht Gemeinsamkeit, aktive politische Begleitung bis zur Umsetzung und Marktstabilität. Erfolg ist möglich – aber nicht garantiert. Wer zögert, riskiert seine Wettbewerbsposition.
Unser Auftrag für 2026 und darüber hinaus
Als Verband gestalten wir die Transformation aktiv mit. Unsere Aufgaben sind klar:
- Innovation gemeinsam fördern: Plattformen schaffen, die Ideen beschleunigen und die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren stärken.
- Technologische Stärke ausbauen: Entwicklung von Batterietechnologien unterstützen und Recycling sowie nachhaltige Wertschöpfung in Europa vorantreiben.
- Rahmenbedingungen gestalten: Politische und wirtschaftliche Strukturen so mitprägen, dass Innovationen gefördert und nicht ausgebremst werden.
Mit Ihrem Engagement, Ihrer Expertise und Ihrer Bereitschaft kann der Wandel gelingen.
Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Partnerschaft. Lassen Sie uns mit Tatkraft und Entschlossenheit ins neue Jahr starten.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Jens Katzek