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ETA ÜBERGIBT HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN AN MINISTER HABECK – JETZT MUSS DIE UMSETZUNG FOLGEN!
150 Handlungsempfehlungen. Das ist das Endergebnis von zwei Jahren, in dem sich Vertreter aus Unternehmen, Forschung und Gewerkschaften im „Expertenkreis Transformation der Automobilwirtschaft“ (ETA) im Auftrag von Bundesminister Habeck Gedanken über die Zukunft der Automobilwirtschaft in Deutschland gemacht haben.
Am 29. November war es dann soweit: An diesem Tag hat der 12-köpfige Kreis das Dokument und seine Handlungsempfehlungen für die „Zukunft der automobilen Wertschöpfung am Standort Deutschland“ dem Minister übergeben und es mit ihm diskutiert.
Wie soll die Ladeinfrastruktur der Zukunft aussehen? Stellen Wasserstoff-getriebene LKW eine gute Alternative zu batteriegetriebenen dar? Wie reduzieren wir die Abhängigkeit von Rohstoffen aus dem Ausland? Welche Rolle haben Transformations-Regionen und Transformations-Hubs als Unterstützung für die Automobilwirtschaft? Welche bürokratischen Maßnahmen sollte man vereinfachen oder abschaffen? Wie misst man am effektivsten den CO2-Fußabdruck bei der Produktion? Mit Fragen wie diesen haben wir uns beschäftigt, um möglichst konkrete Handlungsempfehlungen in Richtung der Politik zu geben und damit wegzukommen, von nur allgemeinen Aussagen.
Bei dem Bericht handelt sich um einen wichtigen Schritt, der jedoch nur der Anfang sein kann. Denn nun ist es entscheidend, dass diesen 150 Empfehlungen zügig konkrete politische Maßnahmen folgen. Worte allein werden die Transformation der Automobilindustrie nicht vorantreiben – es braucht entschlossenes Handeln.
Ja, 150 Handlungsempfehlungen sind eine ganze Menge. Bei der Prioritätensetzung kann sich die Politik aber leicht an vier Fragen orientieren:
(1) Führt die Maßnahme – möglichst kurzfristig – zu einer höheren Akzeptanz der Elektromobilität beim Kunden und damit zu einem anderen Kaufverhalten?
(2) Führt die Maßnahme möglichst rasch zu einer Reduktion der Belastung, insbesondere der Zulieferindustrie?
(3) Führt sie zu einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen?
(4) Führt die Maßnahme zu einer Stärkung der Innovationsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie?
Mein persönliches Ziel als Vertreter der ostdeutschen Automobilwirtschaft und einer Clusterorganisation war es, Erfahrungen aus unserer Region einzubringen und praxisorientierte Handlungsempfehlungen zu formulieren. Die Transformation der Automobilwirtschaft ist ein komplexer Prozess, der regionale Unterschiede und spezifische Herausforderungen berücksichtigen muss. Ostdeutschland spielt dabei eine besondere Rolle: Wir haben das Potenzial, Vorreiter in der Transformation zu sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Rahmenbedingungen für Elektromobilität verbessern
Einer der zentralen Punkte der Empfehlungen ist die klare Stärkung der Elektromobilität. Der Weg ist eindeutig: Elektroautos müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Anschaffung bis zum Betrieb – attraktiver sein als Verbrennerfahrzeuge. Jede Maßnahme der Politik muss sich deshalb an einer entscheidenden Frage messen lassen: Fördert sie die Akzeptanz der Elektromobilität bei den Kunden oder nicht? Nur so schaffen wir den notwendigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel.
Stärkung der Batteriezellenforschung notwendig
Ich teile ausdrücklich die Empfehlung des ETA, die Batteriezellenforschung in Deutschland zu stärken. Ohne innovative Batterietechnologien werden wir die ehrgeizigen Ziele der Elektromobilität nicht erreichen können. Gleichzeitig bleibe ich bei meiner Kritik, dass die Bundesregierung die Förderung der Batterieforschung drastisch reduziert hat. Diese Entscheidung sendet ein falsches Signal in einer Zeit, in der wir uns im internationalen Wettbewerb um technologische Führung befinden.
Fortführung des Zukunftsfonds Automobilindustrie
Ebenso besorgniserregend ist der drohende Stopp des Zukunftsfonds Automobilindustrie Mitte 2025. Dieses Programm hat Transformations-Regionen und -Hubs entscheidend dabei geholfen, sich neu zu positionieren und innovative Konzepte zu entwickeln. In einer Situation, in der die Transformation ins Stocken geraten ist und die Unternehmen unter immensem Druck stehen, diese erfolgreiche Arbeit abrupt zu beenden, wäre ein unverantwortlicher Fehler. Es wäre schlicht Wahnsinn, jetzt den Rückhalt für die Unternehmen aufzugeben, die dringend Unterstützung benötigen.
Ob sich die unzähligen Stunden, die in die Erarbeitung dieses Dokuments und der Handlungsempfehlungen geflossen sind, am Ende lohnen, kann man derzeit natürlich nicht vorhersehen. Ich glaube dennoch, dass es sehr klug war, dass wir uns als ACOD so intensiv in diesen Prozess eingebracht haben.
Die Handlungsempfehlungen des ETA bieten eine solide Grundlage für die Gestaltung der Zukunft der Automobilwirtschaft in Deutschland. Doch sie bleiben wertlos, wenn sie nicht durch entschlossene und nachhaltige politische Maßnahmen umgesetzt werden. Ich appelliere an die Bundesregierung, diese Chance nicht zu verspielen. Die Transformation ist nicht nur eine Herausforderung – sie ist eine historische Chance, Deutschland als innovativen und wettbewerbsfähigen Standort zu sichern.
Lassen Sie uns jetzt gemeinsam handeln, um die Zukunft der Automobilwirtschaft erfolgreich zu gestalten!
Das Kern-Dokument können Sie unter den u.g. Link herunterladen: https://expertenkreis-automobilwirtschaft.de/media/pages/home/84f50e0477-1732868392/expertenkreis-transformation-der-automobilwirtschaft_papier_zukunft-automobiler-wertschopfung-standort-deutschland.pdf
Daneben wurden (auch durch externe Institute) 15 Kurzpapiere sowie 14 Berichte, Reports und Studien überwiegend zu technischen Themen rund um Daten, Software und Automatisierung erstellt.