August 2019

Zerstörungsfreie Bauteilprüfung für LKW-Bremsanlagen

von Nadine Schenker

Bild: nordroden/Adobe Stock

Das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Optische Messtechnik und Oberflächentechnologien AZOM und die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) entwickeln gemeinsam ein neues Analyseverfahren.

Die zerstörungsfreie Prüfung kann Unfälle und Katastrophen mit Gefährdung von Menschenleben und schweren Sachschäden vermeiden. Für herstellende Unternehmen ist sie ein äußerst effektives Mittel, um schnell eine sichere Aussage über die Qualität ihrer Produkte zu gewinnen. In vielen Bauteilen und Baugruppen haben jedoch Veränderungen der stofflichen Zusammensetzung gravierende Auswirkungen auf deren mechanischen Eigenschaften. Häufig vermindert sich dazu Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Bauteilen. Bei der Bearbeitung metallischer Komponenten unter hohen Temperaturen können sich auftretende stoffliche Veränderungen der Bauteile nachteilig auf die langfristige Materialbeständigkeit auswirken. Sofern das Material nicht herstellungsbegleitend analysiert wird, ist eine nachträgliche Qualitätsprüfung schwer zugänglicher, fest verbauter Bauteile mitunter gar nicht möglich oder mit hohem zeitlichen Aufwand und Kosten verbunden. Hersteller fordern geeignete Analyselösungen, die eine zerstörungsfreie Bauteilprüfung, vor allem in Hohlräumen, mit optimalem Kosten-Nutzen-Verhältnis ermöglichen.

Verfahrensentwicklung zur zerstörungsfreien Prüfung von Schweißnähten

Eine Herausforderung stellt die zerstörungsfreie Qualitätsprüfung von Schweißnähten in Luftbehältern für LKW-Bremsanlagen dar (Abb. 1). Oft werden diese zerschnitten oder aufgeblasen, um die Qualität der Schweißnähte zu untersuchen. Wissenschaftler des Fraunhofer AZOM und der Fakultät Physikalische Technik der WHZ arbeiten gemeinsam mit Unternehmen, wie etwa der Lasertechnik Berlin, an einem zerstörungsfreien Verfahren. Die Partner entwickeln ein neuartiges faseroptisches Verfahren für die mobile und minimal-invasive chemische Elementanalyse von schwer zugänglichen technischen Hohlräumen (Abb. 2). Durch die schnelle und quasi-zerstörungsfreie Vor-Ort-Elementanalytik von Bauteilen ist mit einem hohen Zeit- und Kosteneinsparpotential zu rechnen. Ein Zulieferer von Bauteilen für LKW-Bremsanlagen aus dem Erzgebirge hat bereits seine Interessensbekundung für das neue Verfahren abgegeben. Das Forschungsprojekt wird über das Programm „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand ZIM“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie vom Land Sachsen gefördert.

Fraunhofer AZOM Zwickau

Das Fraunhofer AZOM in Zwickau kooperiert unter der Leitung von Prof. Peter Hartmann seit 2016 eng mit der WHZ. Für Unternehmen bietet das AZOM Dienstleistungen in der Entwicklung und Erprobung von industrietauglichen optischen Messverfahren für unterschiedliche Technologiefelder.

Kontakt: fraunhofer.azom@fh-zwickau.de

Abbildung 1: Aluminium-Luftbehälter einer LKW-Bremsanlage. © Fraunhofer IWS Dresden
Abbildung 2: Versuchsaufbau für eine schnelle und quasi-zerstörungsfreie Vor-Ort-Elementanalytik von schwer zugänglichen, fest verbauten Bauteilen mit hohem Zeit- und Kosteneinsparpotential. © Fraunhofer IWS Dresden

Eröffnung Fahrsimulations-Pool an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ)

von Nadine Schenker

sehen – erleben – verstehen.

Am 13. November wird der neue Fahrsimulations-Pool der Fakultät Kraftfahrzeugtechnik der WHZ offiziell eröffnet. Dieser Pool ergänzt die Laborausstattung der Fakultät, welche u.a. einen Fahrsimulator, ein Virtual-Reality Labor, ein Fahrzeugakustiklabor oder einen Porsche Panamera S als Messfahrzeug für Lehre und Forschung im Einsatz hat.

Im neuen Simulationspool haben Studierende der WHZ nun die Möglichkeit das erlernte und angewandte Wissen aktiv zu erfahren. 12 Rechner sind mit dem Simulationstool CarMaker und dem Visualisierungsprogramm Unity3D ausgestattet. An diesen können Studierende eigene Fahrzeugmodelle aufbauen oder virtuelle Strecken entwickeln. Die entwickelten Fahrzeugmodelle und Strecken können sie am Bewegungssystem testen und aktiv erleben. Anpassungen in den Parametern werden nun live am Körper spürbar. Dadurch verbessert sich das Verständnis der physikalischen Grundlagen und fahrdynamischen Auswirkungen. Der Pool wird bereits in der Lehre eingesetzt. In einem aktuellen Praktikum fahren Studierende mit dem Messfahrzeug eine Strecke (Kreisfahrt) auf dem Sachsenring ab. Analog wird diese Strecke auf dem Bewegungssystem nachgefahren, um eine Verknüpfung von Realität und Simulation herzustellen. Dadurch können Studierende an die Vor- und Nachteile beider Techniken herangeführt werden.

Der dynamische Fahrsimulator

Das hier eingesetzte System besteht aus dem Bewegungssystem mit einem aufgesetzten Cockpit in Form von Lenkrad, Pedalerie, Gurt und Fahrersitz sowie einem aus drei Monitoren bestehendem Visualisierungssystem. Das System bietet vier Freiheitsgrade der Bewegung und ist damit in der Lage das Nicken (Rotation um die y-Achse), das Wanken (Rotation um die x-Achse), das Heben und Senken des Fahrzeuges sowie das Gieren (Rotation um die z-Achse) auszuführen. Das Besondere an diesem System ist neben seinen leistungsstarken Antrieben die Möglichkeit der kontinuierlichen Rotation um die z-Achse, was Versuche wie die stationäre Kreisfahrt deutlich realistischer werden lässt.

Kontakt: ronny.haeupl@fh-zwickau.de 

Infos unter: https://www.fh-zwickau.de/kft/organisation/institut-fuer-energie-und-verkehr/labore/verkehr/fahrsimulations-pool/


Oldtimerersatzteile aus 3D Druck

von Nadine Schenker

Oldtimer werden immer beliebter. Ersatzteile in guter Qualität zu bekommen, wird jedoch schwieriger. Selbst für noch relativ junge Fahrzeuge aus den Achtzigern oder Neunzigern. Das Unternehmen Oldtimerparts löst diese Probleme. Es bietet den 3D Druck und die Rekonstruktion von defekten Oldtimer Ersatzbauteilen aus Kunststoff, Metall, Elastomeren und anderen Materialien an.

Der Auftragsprozess läuft digital ab. Kunden schicken ihr kaputtes Bauteil oder dessen Maße an Oldtimerparts. Diese erstellen ein 3D Modell oder führen einen 3D Scan durch und drucken einen Probekörper, um die Maßhaltigkeit zu testen. Je nach Material und Stückzahl sucht das Team einen passenden Fertiger, welcher die geforderte Qualität liefern kann. Aktuell arbeitet das Unternehmen mit 10 europäischen Fertigern zusammen. Drei haben ihren Sitz in Leipzig. Zur Anwendung kommen neben dem 3D Druck von kleinen Kunststoffteilen wie Clips oder Zahnräder auch andere Fertigungsverfahren. Ersatzteile aus Metall, wie Türgriffe oder Scheinwerfer-Verkleidungen, werden mittels Formguss oder selektivem Laserschmelzen rekonstruiert. Rückleuchten oder Blinker alter Fahrzeuge werden im Gussverfahren wiederhergestellt. Das Team bekommt hin und wieder auch besondere Kundenaufträge. Ein Kunde wollte z.B. einen Metallbügel einer Armani Brille aus den 70er Jahren rekonstruiert haben. Oldtimerparts konnte helfen und arbeitet seither mit Europas größtem Fertiger im 3D Druck aus Belgien zusammen.

Student der Westsächsischen Hochschule Zwickau ist Mitgründer

Oldtimerparts ist ein junges Start-up, mit Sitz in Leipzig, welches 2018 gegründet wurde. Drei Jungunternehmer aus Leipzig, Berlin und Zwickau arbeiten gerade an der Digitalisierung des Auftragsprozesses. Eric Böhner ist einer von Ihnen. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) und schreibt an seiner Diplomarbeit. Gemeinsam mit Hauptgründer Philipp arbeitete er am ersten Geschäftskonzept, welches 2018 bei dem Leipziger Startup Weekend gewann. Ideengeber Philip ist Ingenieur der Elektrotechnik, Eric als Wirtschaftsingenieur bringt das notwendige Wirtschafts-know-how ein. Drittes Teammitglied, Fabian Häckermann, ist Informatiker und ergänzt das Wissen seiner Kollegen. „Meine persönlichen Leidenschaften sind Motorräder und der VW Bulli, deshalb kann ich mich mit dem Thema identifizieren“ betont Eric. Durch sein Studium an der WHZ, welches eine Kombination aus Technik und Wirtschaft ist, lernte er anwendungsspezifische Inhalte. Rechnungswesen, 3D Konstruktion oder Projektmanagement waren hilfreiche Module in seinem Studium.

Datenbank im Aufbau

Das Team, welches in drei deutschen Städten sitzt, arbeitet vor allem digital zusammen. Im zwei Wochenrhythmus treffen sich die Jungunternehmer in einer Skype-Konferenz. Einmal in Quartal gibt es ein Treffen in Berlin. Darüber hinaus vergeben sie auch Aufträge an Designer aus Indien oder an Entwickler aus Kolumbien. Aktuell bauen sie eine große Datenbank mit 3D Modellen und Fertigern auf. Ziel des Unternehmens ist es, den Auftragsprozess voll automatisiert über die Website zu realisieren.

Oldtimerparts ist auf der Suche nach Partnern im Bereich Optische Technologien und weiteren Fertigungstechnologien wie z.B. CNC-Fräsen. Die Zusammenarbeit mit Partnern ist dem Team wichtig, um Erfahrungen zu sammeln und realitätsnahe Probleme lösen zu können.

Kontakt: https://oldtimerparts.de/


Update zum Verfall von Urlaubsansprüchen: Was müssen Arbeitgeber beachten?

von Nadine Schenker

Update zum Verfall von Urlaubsansprüchen: Was müssen Arbeitgeber beachten?

In unserem Newsletter vom Mai 2019 hatten wir über eine Entscheidung des BAG berichtet, nach der Urlaubsansprüche nur verfallen, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer aufgefordert hat, seinen (Rest-)Urlaub zu nehmen und ihn rechtzeitig und unmissverständlich auf diese Rechtsfolge hingewiesen hat (BAG, Urteil vom 19.02.2019 – 9 AZR 541/15). Inzwischen liegen die vollständigen Urteilsgründe vor, aus denen hervorgeht, was Arbeitgeber nun konkret zu beachten haben.

Weiterlesen:

Ausgangslage

Grundsätzlich muss der gesetzliche Mindesturlaub von vier Wochen im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden (§ 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG). Eine Übertragung in das nächste Jahr ist nur möglich, wenn dringende betriebliche oder in der Person liegende Gründe dies rechtfertigen. In diesem Fall muss der Urlaub in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres gewährt und genommen werden. Sofern kein solcher Übertragungsgrund vorlag, verfiel der Urlaubsanspruch nach bisheriger Rechtslage, unabhängig davon, ob der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor in die Lage versetzt hatte, den Urlaub zu nehmen.

Neue Rechtsprechung von EuGH und BAG

Das BAG hat im o.g. Urteil entschieden, § 7 BUrlG sei richtlinienkonform dahingehend auszulegen, dass der gesetzliche Urlaubsanspruch nur dann am Ende des Jahres (oder einem vom Arbeitgeber festgelegten Übertragungszeitraum) verfalle, wenn der Arbeitgeber "zuvor konkret und in völliger Transparenz dafür Sorge getragen hat, dass der Arbeitnehmer tatsächlich in der Lage war, seinen bezahlten Jahresurlaub zu nehmen, indem er ihn – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, dies zu tun, und ihm klar und rechtzeitig mitteilt, dass der Urlaub, wenn er ihn nicht nimmt, am Ende des Bezugszeitraums oder eines zulässigen Übertragungszeitraums verfallen wird."

Der Arbeitgeber kann das unbegrenzte Ansammeln von Urlaubsansprüchen demnach nur wirksam verhindern, indem er diesen Mitwirkungspflichten nachkommt. Wie Arbeitgeber diese Mitwirkungspflichten konkret erfüllen können, ergibt sich aus den Urteilsgründen zum o.g. Urteil.

Worauf Arbeitgeber künftig achten müssen

Hiernach sollten Arbeitgeber künftig folgendes beachten:

  1. Der Arbeitgeber kann grundsätzlich frei entscheiden, wie er seine Mitwirkungspflichten erfüllt. Die von ihm gewählten Mittel müssen allerdings geeignet sein, "den Arbeitnehmer in die Lage zu versetzen, in Kenntnis aller relevanten Umstände frei darüber zu entscheiden, ob er seinen Urlaub in Anspruch nimmt."
  2. Der Arbeitnehmer muss sich auf einen konkret bezeichneten Urlaubsanspruch eines bestimmten Jahres beziehen. Dieses "Transparenzgebot" kann dadurch erfüllt werden, dass dem Arbeitnehmer zu Beginn des Jahres in Textform (z.B. E-Mail) mitgeteilt wird, wie viele Urlaubstage ihm im Kalenderjahr zustehen, er aufgefordert wird, diesen rechtzeitig zu beantragen und er über die Konsequenzen belehrt wird, die eintreten, falls der Urlaub nicht entsprechend beantragt wird.
  3. Die Mitteilung des Arbeitgebers ist hinreichend konkret, wenn der Arbeitgeber darauf hinweist, dass der Urlaub grundsätzlich am Ende des Kalenderjahres verfällt, wenn der Arbeitnehmer in der Lage war, seinen Urlaub im Kalenderjahr zu nehmen, er ihn aber nicht beantragt.
  4. Die Mitteilung muss rechtzeitig erfolgen. Folglich muss, falls die Mitteilung erst im Laufe des Jahres erfolgt, für den Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt noch die Möglichkeit bestehen, seinen Urlaub beantragen und nehmen zu können. Erfolgt die Mitteilung zum Beispiel erst bis Ende des dritten Quartals, muss es nach den betrieblichen Abläufen auch umsetzbar sein, dass (theoretisch alle) Arbeitnehmer ihren Urlaub bis Ende des Jahres noch nehmen können. Aus diesem Grund ist eine möglichst frühe Belehrung empfehlenswert.
  5. Abstrakte Angaben etwa im Arbeitsvertrag, in einem Merkblatt oder in einer Betriebsvereinbarung genügen nach Ansicht des Gerichts den Anforderungen einer konkreten und transparenten Unterrichtung regelmäßig nicht. Es muss sich jeweils um eine konkrete Belehrung im Einzelfall handeln.
  6. Die Beweislast für die Erfüllung der Mitwirkungspflichten trägt der Arbeitgeber. Dieser muss beweisen können, dass dem Arbeitnehmer die Belehrung zugegangen ist. Daher sollten Sie dokumentieren, dass/wann die Mitteilungen den Arbeitnehmern zugegangen sind und sich den Zugang ggf. bestätigen lassen. Im Fall einer Versendung per E-Mail sollte zumindest eine Lesebetätigung angefordert werden.

Wenn alle Anforderungen beachtet wurden und der Arbeitnehmer trotzdem kein Urlaub nimmt, verfällt sein Anspruch am Jahresende bzw. eines vom Arbeitgeber festgelegten Übertragungszeitraums.

Kontakt:
CMS Hasche Sigle

Dr. Antje-Kathrin Uhl
Rechtsanwältin

Dr. Anja Schöder, LL.M.
Rechtsanwältin

 

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