Oktober 2020

Gemeinsam innovativ – Technologiepitch 2020 bei BMW in Leipzig

von Nadine Schenker

+++ Diskussion werksrelevanter Themen mit Hilfe des ACOD +++ Vorstellung von Problemlösungen durch regionale Unternehmen +++

Der Technologiepitch hat gemeinsam mit dem Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) am 20. Oktober im BMW Group Werk Leipzig stattgefunden. Das Event förderte technologie- und werksübergreifende Zusammenarbeit und unterstützte bei Problemlösungen. Mitarbeitende des Werks Leipzig luden zu der Veranstaltung ein, um werksrelevante Themenfelder zu diskutieren. Logistik, 3D-Druck, Robotik und Virtual Reality standen dabei im Mittelpunkt.

Die Plattform Innovation und Digitalisierung initiierte die Suche nach dazu passenden Ideen, Vorschlägen und Technologien. Verschiedene Bewerber, darunter Start-Ups und Hochschulen, reichten Konzepte zu den Themenfeldern ein. Fachexperten des Werks und des Leipziger Innovations- und Hochschulkreises (LIHK) sichteten die knapp 100 Bewerbungen. Die besten neun Vorschläge erhielten eine Einladung zum Technologiepitch. Die Themenpräsentationen erfolgten zeitgleich per Skype, was eine Diskussion zwischen BMW Mitarbeitenden vor Ort mit online-zugeschalteten Experten aus dem Werkverbund und der Zentrale ermöglichte. „Mir ist besonders aufgefallen, dass die Gespräche zwischen den Kollegen aus den Fachbereichen von BMW und den Vortragenden sehr intensiv und zielorientiert waren“, berichtete Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des ACOD.

Eine positive Bilanz der Veranstaltung zog Alexander König, TL-412: „Der Austausch mit den Firmen war ein Gewinn für die Bewerber und für BMW. Die gezeigten Produkte und IT-Services erweitern den Horizont der technologischen Möglichkeiten, was zu weiterführenden Gesprächen mit den Firmen motiviert.“

 

Lisa Leonhardi, AK-35
Bildnachweis © BMW
 

Konferenz der Clustersprecher zur zukünftigen Ausrichtung der Kompetenzclusterarbeit des ACOD

von Nadine Schenker

(v. l.) Dr. Felix ERLER (ACOD GmbH, Projektleiter), Dr. Jörg ENGELMANN (VW Sachsen, Leiter Digitalisierung/ Arbeitssicherheit), Stephan BOOST (Bertrandt Technologie GmbH, Leiter Standort Leipzig), Dr. Anja SCHÖDER (CMS Hasche Sigle, Rechtsanwältin), Christoph SCHEUFLER (Magna Exteriors (Meerane) GmbH), Frank RIEMER-KELLER (Triathlon Batterien GmbH, Geschäftsführer), Dr. Jens KATZEK (ACOD GmbH, Geschäftsführer), Axel FRIEDRICH (Schaeffler Digital Solutions GmbH, Geschäftsführer), Dirk WOTTGEN (BMW Group Werk Leipzig, Leiter Personalwesen), Dr.-Ing. Stefan FENCHEL (BMW Group Werk Leipzig, Projektleiter "Grünes Werk"), Peer BRAUN (Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH, Digital Transformation Officer), Matthias WAHL (Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH, Leiter Technologie & Bereichssteuerung), Thomas RIEDIGER (Porsche Leipzig GmbH, Leiter Planung). Bild © Marco Prosch

Seit dem Jahr 2008 sind die Kompetenzcluster (KC) bereits integraler Bestandteil der Arbeit des ACOD - zeigen Entwicklungen auf und treiben Trends und Forschungen voran.

Am 21. September trafen sich die Sprecher der ACOD Kompetenzcluster "Digitalisierung", "Flexible Produktion", "Antriebstechnik", "Batterie", "Wasserstoff" und "Der Mensch" bei Porsche in Leipzig, um relevante Themen für 2021 festzulegen sowie konkrete Maßnahmen und bestmögliche Formate für deren Umsetzung zu diskutieren. Dabei wurden auch bisherige Ergebnisse der Kompetenzclusterarbeit kritisch hinterfragt und Transparenz über die einzelnen Themen hergestellt, mit denen sich die KC des ACOD in der Zukunft beschäftigen wollen. Gleichzeitig wurden Synergien zwischen den einzelnen Kompetenzclustern identifiziert.

Durch die Arbeit der KC soll ein Best-Practice-Austausch gewährleistet werden, sollen gemeinsame Einschätzung über neue technologische Entwicklungen erarbeitet, die länderübergreifende Bündelung von Fachwissen gewährleistet und ggf. konkrete Umsetzungsprojekte initiiert werden.

Die Aufgabe der KC-Sprecher besteht darin, konkrete Einzelthemen zu definieren und in Zusammenarbeit mit der ACOD-Geschäftsstelle die bestmöglichen Formate zur Behandlung der Themen festzulegen sowie diese inhaltlich vorzubereiten.

Die Themenauswahl und Schwerpunkte der konkreten inhaltlichen Arbeit als ostdeutsches Netzwerk fokussieren sich auf die Prozessoptimierung und spiegelt damit wider, dass die Planungs- und Entwicklungskompetenzen für strategische Produktthemen eher in den alten Bundesländern beheimatet sind. Dieser Fokus auf Prozessoptimierung soll jedoch auch als Brückenfunktion zur Technologieentwicklung genutzt werden!

Ostdeutschland entwickelt sich mehr und mehr zum Zentrum der Elektromobilität und damit zu der Region, in der die Transformation der Automobilindustrie außerordentlich spürbar ist. Mit der KC-Arbeit wollen wir die Unternehmen bei diesem Transformationsprozess aktiv unterstützen.


Qualifizierungschancengesetz (QCG): Transformation gefördert bewältigen.

von Nadine Schenker

Erste Umschulung im Rahmen QCG im Volkswagen Bildungsinstitut mit starkem Ergebnis abgeschlossen.

Teilnehmer und Durchführungsverantwortliche der ersten QCG-Umschulungsgruppe "Maschinen und Anlagenführer" im Volkswagen Fahrzeugwerk Zwickau. Foto © VW

Das Qualifizierungschancengesetz ("QCG") trat 2019 in Kraft und ist Teil der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung. Die Kernidee des Gesetzes ist, Arbeitslosigkeit in Folge von fehlender bzw. nicht passender Qualifizierung zu verhindern.

Im Fokus stehen Unternehmen, die in tiefgreifenden Transformationen, zum Beispiel in Folge der E-Mobilität, stecken. Das QCG erlaubt es, aktuell nicht einsetzbare KollegInnen in Arbeit zu halten und – unter massiver Förderung der Arbeitsagenturen – auf die künftigen Aufgaben durch Qualifizierung vorzubereiten.

Das Volkswagen Bildungsinstitut Zwickau konzipierte und zertifizierte in Kooperation mit Volkswagen Sachsen und der Agentur für Arbeit Zwickau umgehend mehrere Qualifizierungspakete gemäß QCG, um die Transformation des Volkswagen Fahrzeugwerkes Zwickau wirksam zu unterstützen.

Im April 2019 startete als eine der deutschlandweit ersten QCG-Maßnahmen eine Umschulung zum "Maschinen und Anlagenführer". 14 MitarbeiterInnen von Volkswagen Sachsen setzten sich - getreu dem Motto des lebenslangen Lernens - viele Jahre nach ihrem Einstieg ins Berufsleben erneut auf die Schulbank. Die KollegInnen packten die gebotene Chance energisch am Schopf. Ab Tag 1 engagierten sie sich mit vollem Ehrgeiz für bestmögliche Leistungen.

Mit dem so erreichten Notendurchschnitt von 1,5 übertrafen die UmschülerInnen sowohl die eigenen als auch die Erwartungen ihrer Ausbilder deutlich. Jens Vasel, Gruppenausbilder im Volkswagen Bildungsinstitut, ist "stolz auf das Erreichte, vor allem, weil dieses neue Konzept als Pilot zur weiteren Absicherung des MEB-Anlaufs erfolgreich durchgeführt wurde".

Die frisch gebackenen AbsolventInnen wurden nach Abschluss der Maßnahme im September 2020 bereits dringend im Werk erwartet. Sie konnten direkt in die zwischenzeitlich vollständig umgebaute Produktion eingeplant werden und ihr neu gewonnenes Wissen in den MEB-Anlauf einbringen. Somit tragen die UmschülerInnen mit ihrer persönlichen Leistung ganz konkret zum Gelingen der Transformation im Fahrzeugwerk Zwickau bei.

Jörg Fischer, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Zwickau: "Die Qualifizierung verlief hervorragend. Die Nutzung des Qualifizierungs-Chancengesetz (QCG) hat bereits jetzt einen spürbar positiven Einfluss auf die Beschäftigungssicherung in der ortansässigen Industrie. Erste Mittelständler folgen dem Beispiel von VW Sachsen. Wir werden das äußerst wirksame Instrument QCG weiterhin offensiv einsetzen, um alle Unternehmen bedarfsgerecht mit einer entsprechenden Förderung und Qualifizierung bei der Transformation zu unterstützen."


Arbeitsrechtliche Restrukturierungsinstrumente - Die Krise meistern! (Teil 1)

von Nadine Schenker

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Insbesondere die Digitalisierung und der Vormarsch der E-Mobilität stellen die Unternehmen der Branche vor große Herausforderungen. Hinzu kommt die wirtschaftliche Gesamtsituation, die für viele Arbeitgeber, auch bedingt durch die Corona-Krise, ernsthafte Folgen hat. Schon bei vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten können arbeitsrechtliche Maßnahmen helfen, Personalkosten zu senken. Wenn solche Maßnahmen nicht mehr ausreichen, müssen auch Restrukturierungen wie z. B. Personalanpassungen als Mittel zur Unternehmensrettung in Betracht gezogen werden. Schließlich, wenn auch diese Maßnahmen nicht mehr greifen, kann eine Insolvenz drohen. In unserem dreiteiligen Newsletter geben wir Ihnen einen Überblick über arbeitsrechtliche Gestaltungselemente zur Personalkostenreduzierung bei vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Teil 1), bei der Notwendigkeit von Personalabbaumaßnahmen (Teil 2) und im Zusammenhang mit einer (drohenden) Insolvenz (Teil 3). Hier geht es zum ersten Teil des Newsletters:

 

Kurzarbeitergeld bis Ende 2021 verlängert

Wie bereits in unserem letzten Newsletter berichtet, hat sich die Koalition am 25.08.2020 auf eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum 31.12.2021 verständigt. Die verlängerte Bezugsdauer gilt jedoch nur für Betriebe, die bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt haben. Vom 01.07.2021 bis längstens zum 31.12.2021 erfolgt eine 100%ige Erstattung nur, wenn während der Kurzarbeit eine Qualifizierung stattfindet.

Auftragsmangel für Weiterbildung nutzen

Stichwort Qualifizierung: Sofern der Beschäftigungsbedarf wegen fehlender Aufträge sinkt, Personal aber nicht entlassen werden soll, sollten Arbeitgeber erwägen, diese Zeit für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt werden; es besteht die Möglichkeit, dass die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungen von Arbeitnehmern bezuschusst. Einzelheiten regeln das "Qualifizierungschancengesetz" und das "Arbeit-von-morgen-Gesetz". Beide Gesetzesinitiativen haben wir an dieser Stelle bereits vorgestellt.

Personal(kosten)reduzierung durch Freiwilligenprogramm

Wenn Personalkosten gesenkt, aber ein – zumindest einseitiger – Personalabbau vermieden werden soll, kommen Freiwilligenprogramme in Betracht. Solche Programme zielen darauf ab, durch einvernehmliche Regelungen mit den Arbeitnehmern einen sozialverträglichen Personalabbau durchzuführen. Im Mittelpunkt stehen regelmäßig feste Konditionen für Abfindungen im Rahmen von Aufhebungsverträgen oder die Modalitäten von Vorruhestands- bzw. Altersteilzeitlösungen.

Der wesentliche Vorteil eines Freiwilligenprogramms liegt darin, dass bezüglich der Auswahl der teilnehmenden Arbeitnehmer – anders als bei betriebsbedingten Kündigungen – keine Sozialauswahl durchgeführt werden muss. Aufgrund der freiwilligen Teilnahme ist zudem eine zügige Durchführung des Personalabbaus möglich. Auch werden zeit- und kostenaufwendige Kündigungsschutzprozesse vermieden. Ein Freiwilligenprogramm kann damit auch die Akzeptanz des Personalabbaus innerhalb der Belegschaft stärken und einen Reputationsverlust in der Öffentlichkeit verhindern.

Vor der Durchführung des Freiwilligenprogramms empfiehlt sich die Erstellung einer sog. „ABC- oder Ampelliste“. Führungskräfte sollten beurteilen, ob es sich bei den Arbeitnehmern um Leistungsträger, um durchschnittliche Arbeitnehmer oder ggf. um Low Performer handelt. Gleichwohl muss man realistisch bleiben: Häufig sind gerade die Arbeitnehmer, von denen sich der Arbeitgeber gerne trennen möchte, nicht bereit, das Unternehmen auf freiwilliger Basis zu verlassen. Empfehlenswert ist regelmäßig, das Prinzip der sog. doppelten Freiwilligkeit in dem Programm zu verankern. Das bedeutet, dass weder der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber zum Abschluss eines Aufhebungsvertrages oder einer Vorruhestands- bzw. Altersteilzeitlösung verpflichtet ist.

Ist mit dem bezweckten Personalabbau eine Betriebsänderung im Sinne des § 111 BetrVG verbunden oder liegt die Betriebsänderung allein in dem Personalabbau, sind die Beteiligungsrechte des Betriebsrats zu beachten. Da ein Aufhebungsvertrag auch als „Entlassung“ im Sinne des § 17 KSchG zählt, sind bei Überschreiten der maßgeblichen Schwellenwerte zudem die Informations- und Beratungspflichten für sog. Massenentlassungen zu berücksichtigen. Zudem bedarf es dann einer förmlichen Massenentlassungsanzeige gegenüber der Arbeitsagentur. Fehler in diesem Verfahren führen zur Unwirksamkeit der anzeigepflichtigen Aufhebungsverträge.

Ausblick

In unserem Corona-Center (Link: https://cms.law/de/deu/insight/covid-19) haben wir aktuelle Informationen zu rechtlichen Fragen und Maßnahmen in der Corona-Krise zusammengefasst. Wenn Sie unsere Newsletter oder Einladungen zu unseren regelmäßig stattfindenden arbeitsrechtlichen Veranstaltungen erhalten möchten, sprechen Sie uns bitte gerne an.

Kontakt:
CMS Hasche Sigle

Dr. Antje-Kathrin Uhl
Rechtsanwältin

Dr. Anja Schöder, LL.M.
Rechtsanwältin

 

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